Faschingszoll
Ich kann mit Fasching einfach nichts anfangen. Unlustig gereimte Reden werden gehalten, hässliche Menschen verkleiden sich in noch hässlicheren Kostümen, Jugendliche haben auf Dorffesten und Umzügen einen Grund sich zu betrinken und kleine Kinder organisieren sich und fordern Faschingszoll.
Als ich heute Morgen nach einem Besuch beim Bäcker wieder in meine Straße einbog, erfuhr ich wie sämtliche, sonst eher friedlichen Kinder aus der Gegend, sich zu einem Haufen geldgieriger und unangenehm aufdringlicher Kinder verwandelt haben. Ich fuhr so mir nichts dir nichts gemütlich durch die 30er-Zone, als urplötzlich bestimmt 231 verkleidete Kinder links und rechts aus den Gebüschen herausgesprungen kamen, was an sich schon mal eine ziemlich dumme Sache war, da hier unter anderem auch einige Autos unterwegs sind, deren Bremsen sicherlich nicht so toll sind wie meine.
Als wäre das nicht schon genug, spannten Winnetou und Billy the Kid ein sehr langes und leider auch sehr massives Seil über die Straße, während Batman und Spongebob meinen Kofferraum absicherten, sodass ein Weiterfahren ohne Verletzte unmöglich war. So stand ich da also. Hilflos dem Nachwuchs ausgeliefert. Als Pipi Langstrumpf und ein Igel mich dazu aufforderten das Fenster herunter zu lassen, fragten sie nicht etwa nach Süßigkeiten, so wie wir das früher gemacht haben. Nein, die wollten direkt bezahlt werden. Ich habe dann noch schnell etwas von Mautgebühren, Geschäftsfähigkeit, Steuerhinterziehung und Finanzämtern erfunden, aber als Räuber Hotzenplotz immer unruhiger wurde und Zorro nun schon zum dritten Mal mit der Peitsche drohte wurde es mir doch zu gefährlich. Leider hatten sie keinen Kartenleser dabei, sodass sie mit den restlichen 1 Euro 50, die ich noch übrig hatte, auskommen mussten. Geteilt durch 231. Ob sich das lohnt?
Freudestrahlend wurde das Seil entfernt und ich durfte die restlichen 300 Meter ohne Zwischenfälle nach Hause fahren. Im Rückspiegel konnte ich noch das nächste Opfer erkennen.
Deswegen ist Fastnacht Fasching Karneval die fünfte Jahreszeit die Zeit in der sich die Menschen seltsam verkleiden einfach nicht mein Ding. Na ja, wenigstens hat mein Fastnachtskrapfen vom Bäcker prima geschmeckt während die Funkenmariechen im Fernsehen ihre Beine in die Höhe schleuderten.
30. Oktober 2006 um 20:59 Uhr
[...] Zur fröhlicheren Belustigung und falls noch nicht geschehen unbedingt zuerst den Beitrag Faschingszoll lesen. Fertig? Dann weiter: [...]